Piraten und Ihre Piratenregeln

Wie ging es auf einem Piratenschiff zu, wie wurde man eigentlich Piratenkapitän? Und waren Piraten nur wild oder hatten sie ihre eigenen Piratenregeln.  Hier ein wenig mehr zu den Regeln der Piraten.

Erst einmal möchte man es gar nicht glauben, aber die Regeln auf dem meisten Piratenschiffen waren sehr demokratisch. Die Piratenmannschaft hatte viel mitzubestimmen, wenn es um wichtige Entscheidungen ging. Eine wichtige Entscheidung war zum Beispiel, wer zum Piratenkapitän gewählt wird. Der Piratenkapitän hatte also nicht unbedingt besondere Rechte, wie besseres Essen oder einen besseren Schlafplatz auf dem Piratenschiff. Und weil der Piratenkapitän von den Piraten gewählt wurde, konnte er auch wieder abgewählt werden, wenn er zu grausam, aber auch zu feige oder zu nett war. Schließlich war Disziplin an Bord eines Piratenschiffes sehr wichtig.

Die Piraten und ihr Piratenrat

Neben dem Piratenkapitän wählten die Piraten auch Ihren Maat. Der Maat sollte neben dem Piratenrat die Interessen der Piratenmannschaft vertreten. Nur wenn es ans Entern eines Schiffes ging, war der Piratenkapitän der absolute Befehlshaber. Ansonsten musste sich der Kapitän mit dem Piratenrat abstimmen. Es kam nicht selten vor, dass es nach Ausbleiben von Beute oder unterschiedlichen Meinungen unter den Piraten zum Zerwürfnis der Piratengemeinschaft führte.

Wenn Piraten an Bord des Piratenschiffes gingen, mussten sie meistens erst einmal einen Vertrag unterschreiben. In diesem Vertrag wurde genau festgehalten, wie die Regeln auf dem Piratenschiff waren. Von einigen Piraten sind die Regeln auf dem Piratenschiff überliefert.

Die Piratenregeln von Black Barty

Von Bartholomew Roberts, auch Black Barty gennant, ein gefürchteter Pirat im 18. Jahrhundert, der mehr als 400 Schiffe geentert haben soll,  sind folgende Piratenregeln überliefert:

  • Jeder Mann hat in wichtigen Angelegenheiten ein Mitspracherecht, deshalb hat er das Recht, zu allen Zeiten in Sachen des Proviants und des Branntwein davon nach Belieben Gebrauch zu machen, sofern nicht eine Hungersnot zum Wohle Aller Einschränkungen notwendig macht.
  • Um Geld Karten zu spielen oder zu würfeln ist an Bord verboten.
  • Alle Lichter und Kerzen müssen um acht Uhr abends gelöscht sein. Wer nach dieser Stunde noch weitertrinken will, muss das am Oberdeck tun.
  • Die Kanonen, Pistolen und Säbel müssen von jedermann sauber und gebrauchsfähig gehalten werden.
  • Es darf keine Frau und kein Junge an Bord leben. Wird ein Mann mit Frauen oder Jungen gefunden, so muß er den Tod ertragen.
  • Das Desertieren vom Piratenschiff oder der Station während eines Kampfes wird mit dem Tode oder dem Aussetzen bestraft.
  • Schlägereien und Raufereien sind an Bord verboten. Kommt es zu einem Streit, wird dieser nicht auf dem Piratenschiff sondern an Land in einem Duell ausgetragen.
  • Der Quartiermeister begleitet die streitenden Piraten. Zuerst schiessen die Piraten auf Kommando aufeinander. Sollten Sie sich verfehlen, werden die Entermesser gezückt. Wer als erster eine Verletzung hat (blutet) ist der Verlierer.
  • Niemand darf von Bord gehen, bevor nicht jeder einen Anteil von 1000 Pfund erworben hat. Der Kapitän und der Quartiermeister erhalten je 2 Teile der Beute, der Hauptkanonier und der Bootsmann 1 1/2 Teile, andere Offiziere 1 1/4 Teile und alle anderen Besatzungsmitglieder je einen Teil. Alle Verletzungen werden entschädigt. Jeder, der ein Körperglied während eines Kampfes verliert, erhält einen Extraanteil der Beute.

Piratenbeute – Wie haben die Piraten geteilt?

Henry Morgan, ein gefürchteter Pirat, hatte einen Piratencodex, die sogenannten -Articles of Agreement- verfasst, die sich heute im Archivo General de Indias in Sevilla befinden. In diesen Aufzeichnungen niedergeschrieben von Alexandre Olivier Exquemelin, dem Leibarzt von Sir Henry Morgan wird folgende Aufteilung der Piratenbeute festgelegt. Dabei hatte ein Piaster ungefähr eine Kaufkraft von 50- 75 Euro heute.

  • 100 bis 150 Piaster für den Schiffszimmermann
  • 100 Piaster für den Mann, der als erster das Beuteschiff gesichtet hat
  • * 50 Piaster für den, der die feindliche Flagge niedergeholt hat.

100 Piaster um die Piratenaugenklappe zu kaufen

  • 100 Piaster für einen Finger
  • 100 Piaster für ein Ohr
  • 100 Piaster für ein Auge
  • 100 Piaster für eine Hand
  • 400 Piaster für den linken Arm
  • 500 Piaster für den rechten Arm
  • 600 Piaster für den Verlust eines Beines
  • 1000 Piaster für beide Augen
  • 1500 Piaster für den Verlust beider Beine
  • 1800 Piaster für den Verlust beider Hände

Der Rest  der Piratenbeute wurde zu gleichen Teilen an die Piraten– bzw. bei Gefallenen an deren Angehörige – ausgezahlt. Der Piratenkapitän erhielt den doppelten, der Schiffsjunge einen halben Anteil. Ein spanischer Piaster hatte im 18. Jahrhundert etwa eine Kaufkraft von 100 DM im Jahre 1997, deswegen hier auf 2009 umgerechnet ca. 50-75€ . Nebenbei für 2 Piaster konnte man damals eine Kuh kaufen.

Top Piraten Artikel

Jetzt kommentieren.

Schreibe einen Kommentar